Sexueller MissbrauchUnter Missbrauch versteht man Misshandlungen, die an Kindern und Jugendlichen verübt werden. Oftmals wird Missbrauch mit einer Vergewaltigung gleichgesetzt, doch zwischen Kindern und Erwachsenen wird nicht nur oraler, vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr als Missbrauch bezeichnet, sondern alle Handlungen, die ein Erwachsener mit der Absicht der Stimulation an Minderjährigen ausführt. Dabei muss der Täter das Kind noch nicht einmal berühren, denn Handlungen können auch dann einen Missbrauchscharakter haben, wenn keine Berührung stattfindet. So ist es auch Missbrauch, wenn einem Kind pornographisches Material gezeigt wird oder es nackt posieren muss (beispielsweise zum Abfotografieren). Doch in den meisten Fällen geht es um Handlungen, die einen Körperkontakt voraussetzen: So reicht die Spannweite der Handlungen vom Zungenkuss über gegenseitiges oder einseitiges Masturbieren bis hin zum Geschlechtsverkehr. Dabei geht es den Tätern nicht so sehr um die Stimulation des Kindes, sondern vor allem um die eigene: Missbrauch liegt auch dann vor, wenn das Kind beim Baden, Abtrocknen oder Eincremen in unangemessener Weise berührt wird und dies bei der handelnden Person Erregung auslöst.

In den meisten Fällen des Missbrauchs ist das Kind vom erwachsenen Täter abhängig. Diese Abhängigkeit wird durch den Altersunterschied und die dadurch bedingte körperliche Überlegenheit deutlich. Es kann aber auch eine emotionale, familiäre oder erziehungsberechtigte Abhängigkeit vorliegen. Somit geht es bei Missbrauch immer um die Befriedigung der Bedürfnisse des mächtigeren Erwachsenen. Der Täter gaukelt sich und seinem Opfer zwar vor, die Wünsche des Kindes zu erfüllen, nutzt aber in Wahrheit nur die emotionale Bedürftigkeit des Kindes aus, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
Da der Täter sich bewusst ist, Verbotenes zu tun, ist er um strickte Geheimhaltung besorgt. In der Regel droht er dem missbrauchten Kind mit Liebesentzug, dem Auseinanderbrechen der Familie, Strafen für sich und das Kind, aber auch mit körperlicher Gewalt, Mord und Tod.

Es ist nicht verwunderlich, dass Missbrauch und traumatische Erfahrungen in der Kindheit gravierende Folgen haben. So beschrieb schon 1896 der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freund Missbrauchserfahrungen, die Frauen in ihrer Kindheit hatten, als Ursache psychischer Störungen wie Hysterie oder Depressionen. Zudem haben Opfer später im Erwachsenenalter häufig wechselnde Partner. Das bedeutet aber nicht, dass traumatische Kindheitserlebnisse immer und zwangsläufig zu einem gestörten Sexualverhalten führen. So gibt es auch kein spezielles Missbrauchssyndrom, denn fast jede Störung kann infolge von Missbrauch auftreten.

Kurzfristige Folgen können sein:

•    Auffälligkeiten im Sozialverhalten,
•    Unangemessenes Sexualverhalten,
•    Somatische und psychosomatische Folgen.

Langzeitfolgen können sein:

•    Ängste,
•    Depressionen,
•    Beziehungsstörungen,
•    Probleme, sich anzupassen,
•    Essstörungen,
•    Schlafstörungen,
•    Suchtverhalten,
•    Persönlichkeitsstörungen,
•    emotionale und kognitive Störungen.

Hilfe finden Betroffene und ihre Angehörigen bei den örtlichen Pro Familia-Beratungsstellen oder bei Frauenberatungsstellen.
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